Schlagzeilen

aus der Printausgabe vom 30.03.2015

Beirat für Umbau der Tierhaltung

Einen weitgehenden Umbau der Tierhaltung in Deutschland hält der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium für erforderlich. In ihrem Gutachten „Wege zu einer akzeptieren Nutztierhaltung“ bezeichnen die Wissenschaftler die derzeitigen Haltungsbedingungen als nicht zukunftsfähig. Sie begründen dies mit fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz und einem hohen Risiko für Tierleid in gängigen Haltungssystemen.

Die Mehrkosten für notwendige Anpassungen, die teilweise über einen längeren Zeitraum notwendig seien, veranschlagt der Beirat auf 13 % bis 23 % der jährlichen Produktionskosten. Dies entspricht einer Summe von 3 Mrd Euro bis 5 Mrd Euro. Aufgebracht werden sollen diese Mittel von Staat, Konsumenten und Wirtschaft.

Gelobt wird die Brancheninitiative Tierwohl, wenngleich ihre finanzielle Ausstattung viel zu gering sei. Für nicht zielführend halten die Wissenschaftler eine Fokussierung der gesellschaftlichen Tierwohldiskussion auf die Rolle der Betriebsgröße.

In der Wirtschaft fand das Gutachten wenig Zustimmung. Für den Deutschen Bauernverband (DBV) ist die Kritik an den Haltungsbedingungen und die Forderung nach einer 180-Grad-Wende in der Tierhaltung nicht gerechtfertigt. Der Verband der Fleischwirtschaft (VdF) hielt dem Beirat vor, er habe keine neutrale wissenschaftliche Analyse vorgelegt, sondern sich von Werturteilen leiten lassen. Der Deutsche Tierschutzbund wertet das Gutachten indes als Aufruf zum politischen Handeln. Ähnlich äußerten sich Umwelt- und Agrarverbände. Vertreter aller Frak-tionen im Bundestag reagierten ebenfalls überwiegend positiv. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hielt sich zurück. (...)